
Sie „sitzen“ zwar immer noch, die Drahtzieher des blutigen Putsches von einst, Chef-Revolutionär Cord inklusive. Aber immerhin wurden sie von der Todesstrafe begnadigt und leben noch. Und das mit einer Aussicht auf das Schönste, was Grenada zu bieten hat: Gleich zu Füßen des Gefängnisses auf Richmond Hill zieht sich kilometerlang der Traumstrand von St. George’s, die „Grand Anse“, dahin, mit schneeweißem Sand vor türkisfarbener See. Auch die „Carenage“ ist von hier aus zu sehen, St. George’s hufeisenförmiges Hafenbecken mit schlanken Yachten, bauchigen Lastenseglern und einer lebendigen Promenade mit Cafés, Restaurants und Bars. Sogar Fort George liegt in ihrem Blickfeld. Hier richteten die politischen Hardliner im Herbst 1983 ein blutiges Gemetzel an, um das Muskatnussparadies gewaltsam auf marxistischen Kuba-Kurs zu zwingen, was eine Intervention der US-Marine nach sich zog und Grenadas touristischer Entwicklung einen tiefen Dornröschenschlaf gewährte. Zum Glück, denn so durfte die karibische Perle naturbelassen bleiben: Tourismus im großen Stil ist auf der Gewürzinsel bis heute unbekannt.
GASTRONOMISCHE KARRIERE IM KARIBISCHEN PARADIES
„Meine Schicksalswende“, erinnert sich Uli Kuhn aus Oberwinter. Der Bub vom Siebengebirge war während seiner Jugendzeit in Mehlem daheim und Schüler des nahegelegenen Aloisiuskollegs in Bad Godesberg. Danach folgte das Abitur am Bonner Nicolaus-Cusanus-Gymnasium, dann eine Ausbildung an der Hotelfachschule Bad Hofgastein bei Salzburg. Eine Dokumentarsendung über die US-Intervention - verbunden mit einem Hilferuf nach Fachpersonal für den Aufbau der traumatisierten Insel - ließ den Jung-Gastronomen aufhorchen. Er kündigte kurzerhand seine Stellung im Berliner Hotel Excelsior und machte sich auf nach Grenada. Inzwischen nennt der 45-Jährige dort das „The Aquarium Restaurant“ sein Eigen, eine der besten Adressen in Sachen Insel-Cuisine. Gleich daneben firmiert die nächste Kuhn-Preziose, das „La Sirena“, eine der beliebtesten Strandbars Grenadas, romantisch zwischen Kokospalmen an einem Traumstrand versteckt. Rum-Punch, Carib Lager und Gin-Tonic? Der Chef rennt selber mit, wenn er Lücken im Service entdeckt. Obendrein betreibt Kuhn einen Catering-Service, der Gesellschaften bis zu 1.000 Personen beliefert sowie Geschäfte und Cafés auf dem Campus der US-amerikanischen St. Georges University School of Medicine. Wahrscheinlich wurde es dem unruhigen Geist vom Drachenfels in seinem Palmenparadies schon wieder zu langweilig, als er auf einem bizarren Küstenfelsblock sein - vorerst - letztes Projekt anging und mit seinen Maca Banas eine Hand voll luxuriöse Urlaubsdomizile erbaute, mit Blick auf St. George’s in der Ferne. Ein Aussteiger? Uli Kuhn lacht und hält sich eher für einen Einsteiger, der seine deutsche Heimat nach wie vor liebt und der die rheinische Mentalität des Anpackens nicht verlernt hat.
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