Dienstag, 07. Februar 2012
REISEfieber
New York: Ein Besuch in der Stadt, die niemals schläft ...

NEW YORK

Ein Spaziergang durch Harlem


Das legendäre Apollo-Theater auf der 125. Straße oder die Auswüchse des Rassismus in den 1960ern - Chafin Elliott kann zu allen denkbaren Themen unglaubliche Geschichten erzählen. Denn der 79-jährige New Yorker wuchs damals im Armenviertel Harlems auf. Heute ist er „Big Apple Greeter“ und nimmt seine Gäste mit auf eine ganz individuelle und zudem kostenlose Tour durch „sein“ Viertel. Wir bekommen Insidertipps, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Begleiten Sie uns auf einer ganz besonderen Tour durch Harlem, die mehr als nur ein normaler Streifzug durch das lebendige Viertel des Gospel, Blues und Jazz ist.

New York - 114. Straße West. Eine ganz berüchtigte Ecke. Rote Sandsteinhäuser, Feuerleitern an den Hausfassaden, Kinder spielen auf dem Basketballfeld vor einer High School. In der grellen Morgensonne scheint die bekannte Ecke Central Harlems gar nicht gefährlich und ärmlich zu sein - ganz im Gegenteil. „In diesem Haus bin ich damals aufgewachsen“, erzählt Chafin Elliott und zeigt auf das rosa Reihenhaus mit der Nummer 208. Im Erdgeschoss sind heute einige Fenster zubetoniert. „Als ich mit meiner Mutter und meinen drei Geschwistern aus Connecticut hierher kam, mussten wir neun Mal innerhalb New Yorks umziehen. Weil meine Mom so oft Männerbesuch hatte, sind wir mehrmals rausgeworfen worden“. In den 1940ern war die 114. Straße eines der schlimmsten Viertel, es wurde „Armutsblock“ genannt. Die Kriminalität war extrem hoch, Ausschreitungen, Schlägereien und Auseinandersetzungen mit der Polizei waren an der Tagesordnung. Bürgerrechtler Adam Clayton Powell hielt hier später seine Hearings ab, kämpfte für bessere Jobs und Wohnungen für Schwarze.

HARLEM - THIS IS, WHERE THE JUICE WAS

Mehr als 45 Jahre lang lebte der inzwischen 79-jährige Chafin in Harlem - heute ein hippes und eines der meistbesuchten Stadtviertel New Yorks. „Harlem - this is, where the juice was.“ Und wo der seinerzeit zu finden war, das wusste Chafin genau, denn er kennt bis heute Harlem wie seine Westentasche, obwohl der ehemalige System-Programmierer mit seiner Ehefrau mittlerweile in das viel ruhigere, beschauliche Brooklyn gezogen ist. Mehrmals im Monat steigt er in die U-Bahn auf der anderen Seite des Hudson Rivers und fährt über die Brooklyn Bridge zurück in seine alte Heimat. Er begrüßt Touristen im Herzen Harlems, nördlich des Central Parks, und zeigt ihnen „sein“ Viertel von der 104. bis zur 125. Straße - „wie ein Lehrer seinen Schülern“. ...

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