Dienstag, 24. Oktober 2017
REISEfieber
SÜDTIROL - Eine kulinarische Reise rund um den Ritten

Südtirol

Ein Paradies für Gourmets


Sanft bimmelt es aus der Ferne. Ein betagter, aber in bestem Zustand befindlicher Wagen der alten RittnerBahn, einer elektrisch betriebenen Schmalspurbahn, die zwischen den Stationen Klobenstein und Maria Himmelfahrt hin- und herfährt, rollt heran und hält an der Station Oberbozen auf dem Ritten oberhalb der Großstadt Bozen. Erstaunlich, dass hier oben eine Bahn fährt! Aber das ist nunmehr seit 110 Jahren so. Dieses Jubiläum wird in diesem Jahr ganz besonders gefeiert. Damals waren es die reichen Bozener, die diese Bahn initiierten, denn wer etwas auf sich hielt, der hatte hier oben auf 1.220 Höhenmetern ein Domizil, um den heißen Tagen im Kessel der Bozener Innenstadt in die "Sommerfrische" entfliehen zu können.


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EINE KULINARISCHE NACHTFAHRT

Ich staune, in welch gutem Zustand der Triebwagen "Allioth" aus dem Jahr 1910 ist, der gerade in die Station Oberbozen einfährt und mich auf eine ganz besondere Reise mitnimmt: zu einer kulinarischen Fahrt in die bevorstehende Abenddämmerung. Ein erhebendes Erlebnis angesichts der imposant aufstrebenden Bergmassive Schlern und Rosengarten, die im Abendlicht eine atemberaubende Röte annehmen. Wie eine Hand mit zwei Fingern, die zum Schwur erhoben ist, erscheint die Form des Berges. Wohl deshalb ist er zum Wahrzeichen Südtirols mit seiner bewegten Vergangenheit geworden. Bereits während des Wartens auf die Bahn werde ich an der Station Oberbozen mit Fingerfood überrascht und genieße außerdem ein Glas frischen und sortenreinen Apfelsaft aus der Region. Hier gibt es Bergapfelsaft aus Sorten, die heute fast schon vergessen sind. Und auch ein Glas Sekt darf zur Einstimmung nicht fehlen, denn in der Nähe befindet sich Europas höchstgelegene Sektkellerei. ...


DIE SOMMERFRISCHE RUND UMMARIA HIMMELFAHRT

Angenehme 25 Grad zeigt das Thermometer heute in der Gegend um den Ritten, wohingegen unten im heißen Kessel Bozen im Tal mit fast 35 Grad extreme Hitze herrscht. Und genau diese erträgliche Sommerluft soll es gewesen sein, die am Ritten, dem Hausberg der Bozener, zur Erfindung der "Sommerfrische" geführt hat, denn bereits im Jahr 1505 gab es am Ritten die ersten Sommergäste. Die Sommerfrische dauert genau 72 Tage, beginnend alljährlich am 29. Juni. Früher wurden Kind und Kegel und sämtlicher Hausrat eingepackt und auf den Berg verfrachtet, wo man den heißen Sommer auf angenehme Art und Weise gut überstehen konnte. Leisten konnten sich das nur reiche Patrizierfamilien aus Bozen. Begonnen hat die Talflucht in den Ort Klobenstein, aber da war rasch alles zugebaut und überfüllt. Also zog man in die Gegend um Oberbozen. Hier wurde auf 1.178 Metern Höhe das Dorf Maria Himmelfahrt gegründet. Die Kirche der Heiligen Georg und Jakob bildet das markante Zentrum des Dörfchens. Ich treffe auf Martin Christoph von Tschurtschenthaler, der auch im Sommer hier oben wohnt und so einiges zu erzählen weiß. Das älteste Haus aus dem Jahr 1620 zeigt er mir, und den markanten, achteckigen Schießstand aus dem Jahr 1777 darf ich auch besuchen. Insgesamt hängen hier 120 künstlerisch gestaltete Zielscheiben, die von der langen Tradition der Sommerfrische zeugen. Bedeutend ist auch die Eigenart, dass die Grundstücke hier oben nicht vollgebaut werden dürfen und somit keine Zerstückelung des Landes stattfindet. Zurückzuführen ist das auf das alte Habsburger Erbrecht, wonach Höfe nur als Ganzes vererbt werden durften.Metern Höhe das Dorf Maria Himmelfahrt gegründet. Die Kirche der Heiligen Georg und Jakob bildet das markante Zentrum des Dörfchens. Ich treffe auf Martin Christoph von Tschurtschenthaler, der auch im Sommer hier oben wohnt und so einiges zu erzählen weiß. ...


APFELSAFT STATTWEIN

Nach so viel Frischluft und Natur habe ich Hunger und suche auch nach kulinarischer Erfrischung. Am Ritten liegt eine große Produktionsstätte für Apfelsaft, die jährlich 450.000 Liter produziert. Thomas Kohl ist seit 1994 verantwortlich für den Bergapfelsaft, der sogar in dieser Region einzigartig ist, denn er wird zum Teil aus Apfelsorten hergestellt, die es auf dem Markt gar nicht mehr zu kaufen gibt. So komme ich zum Beispiel in den Genuss des hochklassigen Wintercalville, des Gravensteiners oder des Pinova und auch des Rubinette. Ein tiefroter Saft aus der Apfelsorte Rouge, die tatsächlich rotes Fruchtfleisch hat, kommt etwas säuerlich, aber mit eleganter Sommerfrische daher, während der Wintercalville goldgelb, würzig und aromatisch auftritt und im Mund einen angenehmen Geschmack hinterlässt. Thomas Kohl versteht seine Apfelsäfte als Speisebegleiter. Es muss also nicht immer Wein sein. Der passende Apfelsaft zum jeweiligen Gericht kann durchaus einen Wein ersetzen, und so gibt er zu jeder Sorte eine Speiseempfehlung. Beim Wintercalville ist es das deftige Lamm- oder Ziegenkäsegericht, der Rouge eignet sich vor allem als Aperitif und zum Fisch. Und dann gibt es noch eine ganze Reihe von ausgesuchten Kombinationen wie etwa Apfel-Minze oder Apfel-Preiselbeere, die in feiner Kombination ein tolles Geschmackserlebnis ergeben. ...


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