Mittwoch, 14. November 2018
REISEfieber
SüDTIROL - Wandern im UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten

Unterwegs in den schönsten Berglandschaften der Welt

Hochpustertal & die Drei Zinnen


Im Südtiroler Hochpustertal lassen sich die schönsten Panoramen der Sextener Dolomitenüber herrliche Landstraßen und Wanderwege durch das UNESCO-Weltnaturerbe erschließen. Viele Routen geben obendrein einen aufschlussreichen Einblick in ein düsteres Kapitel der Menschheit: den Ersten Weltkrieg.


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EINE PARTY AUF DER DREIZINNENHüTTE

Ein Tamburin, zwei Gitarren und an die 25 italienische Pfadfinder sorgen für heiße Rhythmen vor der Dreizinnenhütte. Die Temperaturen sind spät am Abend immer noch mild, und der Sternschnuppenhagel steigert die romantische Stimmung zusätzlich. Die Musikanten verstehen ihr Handwerk. Die meisten Bergsteiger wippen mit den Füßen, während sie den magischen Ausblick auf das fantastische Dreigestirn genießen. Hugo Reider, der Hüttenwirt, sieht mit seinem Zwirbelbart aus wie ein Zirkusdirektor, aber eigentlich ist er Rechtsanwalt von Beruf. Er sieht die geringfügige überschreitung der Hüttenruhe gelassen. Doch dann: platsch! Um 22.10 Uhr leert sich ein Eimer Wasser aus dem dritten Stock über das Partyvolk. "Ja seid ihr denn noch ganz bei Trost?", wettert ein müder Bergsteiger. "Hier schlafen auch Kinder!" Dabei wäre die Vorstellung sowieso gleich vorbei gewesen, denn Hugo Reider hat die Schänke pünktlich geschlossen und somit die Kehlen des Partyvolks trocken gelegt. Auf leisen Sohlen schleichen wir hoch ins Lager. Ein kurzer Blick mit der Stirnlampe zeigt: Die Spaßbremse liegt im Stockbett nebenan und schnarcht, dass sich die Balken biegen. ...


ANREISE MIT PANORAMABLICK

Schon die Anfahrt durch das Hochpustertal und bei Toblach südwärts vorbei am Monte Piana und Schluderbach hat bestes Bergkino zu bieten. Vorbei am Lago Misurina, wo bereits zahlreiche, vorwiegend italienische Wohnmobilisten am Ufer ihre Zelte aufgeschlagen haben, gelangen wir zum Lago Antorno. Viele kunterbunte Tretboote schwimmen fast schon kitschig in dem XXL-Gemälde vor dem tollenBergpanorama umher. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung zur Mautstelle der Privatstraße, die sich bis zur Auronzohütte hinaufschraubt. Die Bergrampe hat es in sich. Unendlich viele richtig steile Serpentinen überwinden immerhin knappe 600 Höhenmeter. So manchen Radfahrer, der sich wacker hinaufplagt, hört man inständig fluchen, bevor er mit puddingweichen Knien beginnt zu schieben. Unser Ziel ist die Auronzohütte auf 2.320 Meter. Sie gilt als der gemütlichste Startpunkt zur Dreizinnenhütte.


UNTERWEGS ZUM PATERNKOFEL

Doch wieder zurück zur Dreizinnenhütte. Nach einer kurzen Nacht neben der Schnarchnase fährt mein System nur zögerlich hoch und scheint nicht aus dem Standby-Modus herauszukommen. Dennoch starten wir zum 2.744 Meter hohen Paternkofel. Es ist einer der Klettersteig- Klassiker im Hochpustertal. Mit Helm- und Stirnlampe ausgestattet laufen wir los. Nach wenigen Minuten erreichen wir die Salsiccia, eine filigrane Felsnadel. Ihr Name "Würstel" erscheint mir etwas lapidar angesichts dieser formvollendeten 25 Meter hohen Felsformation, aber das liegt wohl an der geradezu inflationären landschaftlichen Schönheit Südtirols - da kann eine Felsnadel nicht weiter Eindruck schinden und heißt dann eben Salsiccia. Gleich danach führt der Steig durch ein Tunnelsystem aus dem Ersten Weltkrieg. Hier ist es dunkel und muffig. Mein Helm schrammt mehrmals knapp an Felsvorsprüngen vorbei. Dafür bieten die Seitenstollen spektakuläre Ausblicke auf die Drei Zinnen. Was für ein Wahnsinn: die Dolomiten einfach zu durchbohren. ...


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