Mittwoch, 16. Oktober 2019
REISEfieber
ÖSTERREICH - Gipfelglück in den Berchtesgadener Alpen

Österreich

Eine Audienz beim König


Ein wahrer Herrscher, eine Naturgewalt, die so schnell nichts überragt - das ist der majestätische Hochkönig. Der mit exakt 2941 Metern höchste Gipfel der Berchtesgadener Alpen steht wie ein Platzhirsch unangefochten über dem Pinzgau und dem Pongau. Und wer seiner Majestät aufs Dach steigen will, findet hier auf den folgenden Seiten ein paar wunderbare Wanderrouten. Eine gute Kondition ist allerdings Voraussetzung, denn eine Audienz bekommt nur, wer sich wirklich redlich bemüht.


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EINE AUDIENZ BEIM ZORNIGEN KöNIG

Wie im Zeitraffer türmen sich schwarze, bedrohliche Wolken auf. Vor uns liegt noch eine gute halbe Stunde Fußmarsch über den Plateaugletscher der „Übergossenen Alm". Schon hören wir es in der Ferne grollen. Wir legen einen Zahn zu. Wir überlegen, ob wir unsere Eispickel tatsächlich in den Schnee rammen sollen. Derart exponiert lockt das Eisenzeug am Ende noch Blitze in unsere Richtung. Westlich im Steinernen Meer fahren die ersten mächtigen Blitze bereits nieder, die Einschläge kommen immer näher. Weg mit den Eispickeln und jetzt aber hurtig. Der Aufstieg von Hinterthal über die Bertgenhütte und den Hochseiler hat zwar viel Kraft gekostet, aber jetzt müssen wir die letzten Reserven mobilisieren. Wir können uns nur noch ins Matrashaus retten, das direkt auf dem 2941 Meter hohen Gipfel des Hochkönigs liegt - für den Rückzug ist es längst zu spät. Wir sprinten die letzten Meter über den matschigen Schnee. Endlich oben trifft uns der Anblick der Hütte wie ein rechter Haken von Wladimir Klitschko: Das Matrashaus liegt in Schutt und Asche. Das Gewitter läuft zur Höchstform auf, erste Blitze fahren böse zischend in die Funkantenne direkt auf dem Gipfel - uns stehen die Haare zu Berge.
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DER KÖNIG GEWÄHRT EINE ZWEITE AUDIENZ

Sage und schreibe 34 Jahre später bin ich wieder hier unterwegs. Aber dieses Mal auf der wesentlich einfacheren Variante, dem Wanderwegüber das Arthurhaus und die Mitterfeldalm. Der Startschuss ertönt im schönen Pongau. Eine wilde Kurbelei führt über zahlreiche Serpentinen hoch nach Mühlbach. Vom Parkplatz beim Arthurhaus auf 1503 Höhenmetern aus führt ein breites Schotterband anfangs gemütlich und stets gut beschildert in Richtung Mitterfeldalm. Die Blicke in die Südabstürze der Mandlwand, die sich hier wie ein Bollwerk präsentiert, sind beeindruckend. Satte fünf bis sechs Stunden dauert der Aufstieg zum Hochkönig über diese Ostvariante. Da kann ein zweites Frühstück mit einem dampfenden Haferl Kaffee und einem frisch duftenden Apfelstrudel nicht schaden. Zumal die Wirtin Angelika Holzmann selbst backt. Wir gesellen uns zu einer Handvoll Kletterer, die sich hier an den Felswänden des Hochkönigs und der nahen Torsäule versuchen wollen und auch möglichst früh starten möchten.


DER MÜHSAMEWEG ZUM GIPFEL

Schon gleich nach dem Gehöft der Alm betreten wir das Naturund Europaschutzgebiet Kalkhochalpen. Rein geografisch gesehen zählt der Hochkönig zu den Berchtesgadener Alpen, obwohl er eigentlich ganz alleine, fast schon wie ein Monolith, zwischen den „Berchtesgadenern" und den zahlreichen Gipfeln des Steinernen Meers aufragt. Wir wandern um das westliche Ende der Mandlwände herum, steigen etwas ab und erreichen erste Seilversicherungen in steilerem Gelände - der erste Test für Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, zumal am bauchigen Fels etliche Gedenktafeln der hier tödlich verunglückten Bergsteiger angebracht sind. Wir queren ausgedehnte Geröllfelder und gelangen zum Ochsenkar. Im üppigen Grün der steilenBergwiesen strahlen Schusternägel und Almrausch im Morgenlicht und sorgen für einen herrlichen Kontrast zu den vielen Grautönen der monumentalen Felsenlandschaft. Die Torsäule, eine 2587 Meter hohe Felsnadel, rückt immer mehr in unsere Blickrichtung. Schon hören wir die Kommandos etlicher Seilschaften, die bereits versuchen, die Wand zu erklimmen.
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