Freitag, 22. November 2019
REISEfieber
SÜDTIROL - Das Eisacktal ist nicht nur ein Geheimtipp für Weinkenner

SÜDTIROL

Weinreise durch das Eisacktal


Wer von Südtirol und seinen traumhaften Landschaften schwärmt, hat sicherlich nicht das Eisacktal vor Augen. Vielmehr sind es die wilden Zacken der Dolomiten, das beschauliche Meran mit seinen Palmen oder das romantische Unteretsch, das geprägt ist von Weinbergen und herrschaftlichen Anwesen. Aber wer behauptet, Südtirol zu kennen, der muss auch im Eisacktal gewesen sein. Seit Menschengedenken ist dieses herrliche Tal viel mehr als nur eine bedeutende Transitroute, denn der Pass am Brenner macht die Überquerung der Alpen einfacher als anderswo.


suedtirol


DER ZAUBER DES EISACKS

Wer Südtirol besucht, begegnet irgendwann der Etsch, denn dieser Fluss begleitet die Reschenstraße im Vinschgau und fließt dann als breiter Wasserweg durch das Unterland. Ganz anders der Eisack, der am Brenner auf knapp 2000 Metern entspringt, das südliche Wipptal durchfließt und in Sterzing quasi „an die Öffentlichkeit" kommt. Die Autobahn mit ihren vielen Brücken liegt oftmals hoch über dem Tal, so kann man nur bei einer Fahrt auf der Staatsstraße SS12 den Zauber des Eisacks erleben und einen Teil von Südtirol sehen, den nicht jeder kennt. Oder ganz im Zeitgeist nimmt man das Fahrrad, denn näher kann man dem charmanten Gebirgsfluss nicht kommen. Der Eisacktal-Radweg wurde neben der Brennerbahn angelegt - und wem die Entfernung von 96 Kilometern bis Bozen zu weit ist, der steigt einfach in den Zug. Häufig geht es bergab und so können die Radler ganz entspannt wunderschöne, verwunschene Landschaften entdecken - immer begleitet vom hellgrünen Wasser, das über die Felsbrocken und den Kiesgrund fließt. Selbst für den Autofahrer ist die Staatsstraße eine Wohltat, denn sie wird nur vom lokalen Verkehr genutzt.


VERGESSENE JUWELEN

Viele Besucher waren schon dutzende Male in Südtirol, sind aber noch nie durch Brennerbad oder Gossensaß gefahren. Gleich hinter der Passhöhe gelegen waren die beiden Orte früher berühmt für ihren Nobeltourismus, denn Brennerbad hatte die Thermalquellen und Gossensaß die Grandhotels. Doch mit der Teilung Tirols und dem Faschismus gerieten beide Orte in Vergessenheit und warten bis heute auf ihre Neuentdeckung. Auch die ehemalige Fuggerstadt Sterzing durchlebte nach dem Niedergang des Silberabbaus in den Bergwerken des Wipptals lausige Zeiten, punktet heute aber durch ihre mittelalterliche Innenstadt mit ihren Patrizierhäusern. Unweit des Stadtplatzes, der Neustadt von Altstadt trennt, fließt der Eisack hier vorbei. An Sommertagen, wenn sich die Hitze in den Gassen staut, sehnt man sich nach seiner frischen Kühle. Es geht weiter in Richtung Süden, vorbei an der habsburgischen Festung Franzensfeste, und dann fällt der Blick auf die Rebberge im nördlichsten Weingebiet Italiens, dem Eisacktal.


TRADITION UNDWEIN IM KLOSTER NEUSTIFT

Vor den Toren von Brixen steht die erste Bastion in Sachen Wein: das Kloster Neustift. Unglaublich reich an Tradition - sei es die Kunstgeschichte oder eben das Weinmachen. Das größte Kloster in Südtirol begeistert mit seiner imposanten Bibliothek und einem herrlichen Kreuzgang, doch es ist auch ein florierender Wirtschaftsbetrieb, denn seine Mauern beherbergen die wohl älteste Kellerei der Welt. Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet und mit einer Produktion von jährlich 750 000 Flaschen, gilt Neustift als Platzhirsch der Region. Und so landet mancher Besucher nach der Besichtigung der Kunstschätze in der Engelsburg in der Stiftskellerei, in der man Weine wie Sylvaner, Kerner und Müller Thurgau verkosten kann, die aufgrund der nördlichen Lage der Rebberge oftmals recht rassig auf die Geschmacksknospen treffen. Die Geschichte des Weinbaus im Eisacktal reicht zurück bis ins vorchristliche 5. Jahrhundert, denn es waren die Mönche in den Klöstern, die sich um den Weinbau kümmerten, da das Abendmahl nach Messwein verlangte. Dabei handelte es sich immer um einen Roten, der natürlich recht sauer war, weil die Sonne fehlte.
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